Aktualisiert am 19. Oktober 2026 von der Redaktion von broker-forex.eu

Ein Neobroker (auch „Smartphone-Broker“) ist eine vollständig digitale Investment-App, mit der man Aktien, ETFs oder Kryptowährungen für eine fast vernachlässigbare Gebühr kauft – oft 1 € pro Order oder sogar 0 €. Innerhalb weniger Jahre haben diese Fintechs das Anlegen in Europa umgekrempelt: Trade Republic spricht von über 10 Millionen Kunden und 150 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen, Revolut vereint Konto und Börse in einer App, und XTB bietet echte Aktien und ETFs bis zu einem hohen Monatsvolumen provisionsfrei an.
Dieser Ratgeber erklärt, was ein Neobroker wirklich ist, wie er Geld verdient, und vergleicht die wichtigsten Angebote in Deutschland, Österreich und der Schweiz 2026.
Neobroker sind Finanz-Apps, mit denen man Aktien ohne hohe Gebühren kaufen kann. Sie sind eine neue Generation von Online-Brokern mit dem erklärten Ziel, das Investieren zu demokratisieren. Wo klassische Broker oft Fixgebühren, Mindestbeträge und komplizierte Oberflächen hatten, setzt der Neobroker auf eine schlanke Smartphone-App, Kontoeröffnung in wenigen Minuten und den Kauf von Bruchstücken von Aktien ab 1 €.
Die Plattformen stammen von Fintech-Start-ups, die zuerst junge, mobilaffine Anleger ansprachen. Der Erfolg kam schnell. Die Logik ist einfach: Hürden (Gebühren, Fachjargon, Mindestanlage) abbauen, um eine viel breitere Nutzerbasis als die etablierten Broker zu gewinnen.
Die Frage taucht immer wieder auf: Wenn der Neobroker 0 € oder 1 € pro Order verlangt, wie verdient er Geld? Ein „provisionsfreier“ Broker ist nie völlig kostenlos. Er verdient an mehreren unauffälligeren Quellen:
Mit anderen Worten: „Null Gebühren“ lockt, aber man sollte immer die Gesamtkosten betrachten – Spread, Währungstausch, Auszahlungen und eventuelle Abos.
Die Tabelle vergleicht fünf im deutschsprachigen Raum verbreitete Smartphone-Broker. Die Angaben (Gebühren, Angebot, Regulierung) sind Richtwerte mit Stand Juli 2026: Prüfen Sie vor der Kontoeröffnung immer die offizielle Website, da sich die Preise häufig ändern. Nicht alle Anbieter nehmen Kunden mit Wohnsitz in der Schweiz an.
| Broker | Regulierung | Gebühr pro Order | Angebot (Aktien / ETFs) | Krypto | Guthabenzinsen | Ideal für |
|---|---|---|---|---|---|---|
| XTB | KNF, CySEC, FCA, DFSA (Gesellschaft je nach Land) | 0 % bis 100.000 €/Monat, danach 0,2 % (mind. 10 €) | Über 7.400 Aktien und viele echte ETFs, Bruchstücke, Investmentpläne | Krypto-CFDs | Variabel | Provisionsfreie Aktien und ETFs plus Trading in einer App |
| Trade Republic | BaFin, EZB-Banklizenz | 1 € pro Order | ~8.500 Aktien und ETFs, Anleihen, Derivate | ✓ | 2 % bis 50.000 € | Langfristiges Investieren, Sparpläne |
| Scalable Capital | BaFin (Vollbanklizenz) | Free Broker ~1 € · PRIME+: Flatrate 4,99 €/Monat | Über 8.000 Aktien, ~2.700 ETFs, Fonds, Derivate | ✓ (ETPs) | Bis 2,5 % | Aktivere Anleger, Web-Plattform |
| Revolut | Bank von Litauen (Revolut Securities Europe) | 1 € pro Order (Standard-Tarif) | Über 4.000 US-/EU-Aktien, ~200 ETFs | ✓ | Je nach Tarif | Konto und Börse in einer App |
| Trading 212 | EU-Regulierung (EU-Pass) | 0 € (Spread möglich) | Aktien, ETFs, CFDs, Forex | ✗ | Guthabenzinsen (variabel) | Einsteiger, einfache Oberfläche |
Zu beachten: Trading 212 berechnet 0,7 % auf Kartenzahlungen über insgesamt 2.000 € und 0,15 % Währungstausch; XTB berechnet 0,5 % Währungstausch bei Titeln in Fremdwährung; bei Revolut greift die litauische Einlagensicherung, nicht die deutsche.
Manche Neobroker (und viele CFD-Broker) bieten auch gehebelte Produkte an: CFDs, Turbos, Optionsscheine. Sie sind viel riskanter als der direkte Aktienkauf. Laut ESMA verlieren 74 % bis 89 % der Privatkundenkonten mit CFDs Geld. Nutzen Sie sie nur mit Erfahrung und investieren Sie nie mehr, als Sie verlieren können.
Neobroker bieten in einer App Zugang zu mehreren Anlageklassen: Aktien, ETFs, Kryptowährungen und teils Anleihen, Derivate oder Metalle wie Gold. Konkret können Sie:
Der große Trumpf ist die Einfachheit: Dank vollständig digitalem Ablauf platziert ein Einsteiger seine erste Order in wenigen Minuten. Dafür sind Analysewerkzeuge (Profi-Charts, Indikatoren, bedingte Orders) im Vergleich zu spezialisierten Brokern oft begrenzt.
Drei Arten von Anbietern existieren nebeneinander; die beste Wahl hängt von Ihrem Profil ab.
| Kriterium | Neobroker | Direktbank / Online-Broker | Filialbank |
|---|---|---|---|
| Gebühr pro Order | Sehr niedrig (0 bis 1 €) | Moderat (meist 4 bis 10 €) | Hoch (oft > 0,25 % plus Mindestgebühr und Depotgebühr) |
| Oberfläche | Schlanke App | Web und App, umfangreicher | Filiale, Telefon, Berater |
| Steuerabzug im Inland | Je nach Anbieter | Ja, bei inländischen Banken | Ja |
| Profi-Werkzeuge | Begrenzt | Ordentlich bis umfangreich | Unterschiedlich, persönliche Beratung |
| Zielgruppe | Einsteiger, mobile Anleger | Selbstständige Anleger | Traditionelle Kundschaft |
In Deutschland unterliegen Kursgewinne, Dividenden und Zinsen der Abgeltungsteuer von 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag (und gegebenenfalls Kirchensteuer); der Sparerpauschbetrag beträgt 1.000 € pro Person. Inländische Anbieter wie Trade Republic oder Scalable Capital führen die Steuer automatisch ab. Bei Brokern ohne inländischen Steuerabzug müssen Sie die Erträge selbst in der Anlage KAP erklären.
In Österreich gilt die Kapitalertragsteuer (KESt) von 27,5 %; bei nicht „steuereinfachen“ ausländischen Brokern ist die Erklärung selbst vorzunehmen. In der Schweiz sind private Kapitalgewinne in der Regel steuerfrei, Dividenden und Zinsen dagegen als Einkommen steuerbar, und das Depot ist im Wertschriftenverzeichnis anzugeben.
Laden Sie jedes Jahr den Steuerreport herunter, den die meisten Neobroker bereitstellen: Er fasst Gewinne, Verluste und Dividenden zusammen und vereinfacht die Steuererklärung erheblich.
Eine einfache Methode, um die passende App für Ihre Situation zu finden.
Die Zahlen sprechen für sich. Was 2021 eine Wette auf eine neue Anlegergeneration war, hat sich bestätigt: Trade Republic spricht von über 10 Millionen Kunden und 150 Milliarden Euro Vermögen in rund zehn europäischen Ländern und verfügt seit Ende 2023 über eine Vollbanklizenz der Europäischen Zentralbank.
Der Grundtrend ist robust: Viele junge Europäer ziehen das Investieren an der Börse, vor allem über ETFs, dem klassischen Sparen vor. Neobroker haben diese Bewegung aufgegriffen, indem sie das Anlegen einfach, mobil und günstig machten. Sie stehen aber vor Herausforderungen: Das Ende von Payment for Order Flow in Europa zwingt zu neuen Geschäftsmodellen, der Wettbewerb wächst mit dem Einstieg klassischer Banken, und die Kundenbindung wird entscheidend.
Für Anleger ist die Botschaft klar: Neobroker sind dauerhafte Akteure der europäischen Finanzlandschaft geworden. Bleibt die Wahl des passenden Anbieters – im Bewusstsein, dass eine einfache App nie davon entbindet, die Risiken der gekauften Produkte zu verstehen.
ASIC: Australien • BACEN: Brasilien • BVI FSC: Britische Jungferninseln • CBI: Irland • CMVM: Portugal • CySEC: Zypern • DFSA: Dubai • FCA: Vereinigtes Königreich • FSA: Seychellen • FSC: Mauritius • FSCA: Südafrika • FSRA: Abu Dhabi • IFSC: Belize • JFSA: Japan • KNF: Polen • MAS: Singapur • SCB: Bahamas • SVG FSA: St. Vincent und die Grenadinen
⚠️ CFDs sind komplexe Instrumente mit Hebelwirkung: 70 bis 80 % der Konten von Privatanlegern verlieren beim CFD-Handel Geld.
Ein Neobroker ist ein vollständig digitaler Online-Broker, der vor allem per Smartphone-App genutzt wird und den Handel mit Aktien, ETFs oder Krypto zu sehr niedrigen Gebühren ermöglicht (oft 0 bis 1 € pro Order). Er unterscheidet sich von klassischen Brokern durch Einfachheit, fehlende Filialen und den Kauf von Bruchstücken ab 1 €.
Nein, „null Gebühren“ täuscht. Auch ohne Ordergebühr verdient der Neobroker am Spread, am Währungstausch bei ausländischen Aktien, an einbehaltenen Guthabenzinsen, an Karten und Premium-Abos. Entscheidend sind immer die Gesamtkosten, nicht nur der Orderpreis.
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Für provisionsfreie echte Aktien und ETFs mit zusätzlicher CFD-Plattform ist XTB eine solide Wahl. Trade Republic überzeugt bei Sparplänen und Steuerabzug in Deutschland, Scalable Capital mit einer umfangreicheren Plattform, Revolut mit Konto und Börse in einer App und Trading 212 bei Einsteigern. Entscheidend sind Ziel, Wohnsitzland und gewünschte Anlagen.
Seriöse Neobroker sind reguliert (z. B. durch BaFin, KNF, CySEC oder die Bank von Litauen), und Wertpapiere werden getrennt vom Vermögen des Brokers verwahrt. Für Guthaben gilt eine Einlagensicherung, deren Herkunftsland aber variieren kann. Prüfen Sie Regulierung und Einlagensicherung vor der Kontoeröffnung.
Es gilt die Abgeltungsteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer, nach Abzug des Sparerpauschbetrags von 1.000 €. Inländische Broker führen die Steuer automatisch ab; bei ausländischen Brokern ohne Steuerabzug müssen Sie die Erträge in der Anlage KAP selbst angeben.
Eine Neobank verwaltet Ihr Alltagsgeld (Konto, Karte, Überweisungen), ein Neobroker dient dem Investieren an den Märkten. Die Grenze verschwimmt: Trade Republic hat eine Banklizenz und IBAN, Revolut hat die Börse integriert. Man spricht von „Bank + Investment“-Plattformen.
Nur eingeschränkt: Viele EU-Neobroker nehmen keine Kunden mit Wohnsitz in der Schweiz an. Prüfen Sie vor der Eröffnung, ob der Anbieter Schweizer Kunden akzeptiert, wer ihn beaufsichtigt und wie die Steuerdokumente für das Wertschriftenverzeichnis aussehen.
Manche Neobroker bieten gehebelte Produkte an (CFDs, Turbos, Optionsscheine), doch diese sind komplex und riskant: Laut ESMA verlieren 74 % bis 89 % der Privatkundenkonten mit CFDs Geld. Sie eignen sich nur für erfahrene Anleger, die sich des hohen Verlustrisikos bewusst sind.
Ein Neobroker ist ideal für den Einstieg, kleine Beträge oder kostengünstige Sparpläne. Ein umfangreicherer Broker lohnt sich, wenn Sie Profi-Analysetools oder persönliche Beratung brauchen. Viele Anleger kombinieren beides.
Payment for Order Flow (PFOF) ist die Vergütung, die ein Market Maker dem Broker für die Weiterleitung der Kundenorders zahlt. Wegen des Interessenkonflikts verbietet die EU diese Praxis ab 2026, sodass Neobroker, die darauf angewiesen waren, andere Einnahmequellen suchen müssen.
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*CFDs sind komplexe Instrumente mit Hebelwirkung: 70 bis 80 % der Konten von Privatanlegern verlieren Geld.